Neues


Rapunzel (1)

Rapunzel hört man lautstark klagen,
sie hätte ihren Prinz erschlagen,
als sie den Zopf nach unten warf,
ihr Haar ihn an dem Kopfe traf.

Womit hat sie den Kerl geschafft?
Sie sprühte mit Drei-Wetter-Taft.

       ***


Rapunzel (2)

Der Prinz erklomm, obwohl ihm grauste,
den Turm, in dem Rapunzel hauste
an einem Seil aus ihrem Haar
das mit der Zeit gewachsen war.
Ein kleines Stück noch vor dem Ziel,
der Kerl vom Turm nach unten fiel.

Warum er aufschlug mit `nem Knall?
Rapunzel hatte Haarausfall!

       ***


Über die Tücken der
Erotik im Alter


Opa Heinz und Oma Trude
sieht man abends kurz nach Zehn
frisch gewaschen, nachtbekleidet,
jeden Tag zu Bette gehen.

Jedoch gestern, liegend schon,
spricht die Trude zu dem Mann,
ob er denn an früher denke,
wie sie's tut, auch dann und wann.

Opa ist gar sehr verwundert,
kann nicht deuten ihre Frage
so erklärt ihm seine Trude
was sie meint, wenn sie das sage.

Früher hätt' er sie ganz zärtlich
nachts umarmt und auch geküsst,
hätt' vor Lust ihr Ohr beknabbert.
Ob er das denn nicht mehr wüsst'?

Opa Heinz steht darauf auf,
mürrisch schleicht zum Bad er hin,
hört noch wie die Trude fragt,
was er hätte denn im Sinn?

Nun meint Heiz, das sei doch klar,
blickt zurück, etwas verstohlen,
wenn er soll ihr Ohr benagen,
müsst er seine Zähne holen.

       ***


Lied von der verlassenen Couch

Ich sah sie steh'n,
allein im Wald
und ihr war
kalt.
Welch Unhold
schaffte dieses Stück
vom Halse sich.
Wie fürchterlich!
Wo kürzlich
Klaus und "Hasi" saßen,
da sieht man bald
die Hasen grasen.
Von jedem guten Geist
verlassen
wird ihre Farbe schnell
verblassen
und
dient vielleicht,
welch arger Hohn,
in Kürze einem Wildschwein schon
als Thron.
Der Platz für manches Stelldichein
wird dann besetzt von einem
Schwein.

So ist er halt,
der Lauf der Welt,
auch wenn es manchem nicht gefällt.
Zum Schluß regiert
ein Borstenvieh
und grunzt vergnüglich
c'est la vie.

Das war das Lied der Couch.
Autsch!

(Dem wahren Leben nachempfunden)

       ***


Mehr Busen

Ein Schönheitschirurg in Leverkusen
machte einer Frau auf deren Wunsch mehr Busen.
Statt zu vergrößern die zwei,
hat sie jetzt drei.
Jetzt kann sie ihn nicht mehr verknusen.

       ***


Was für'ne Schweinerei

In einer kleinen Meierei,
empörten sich der Schweine drei.
Der Eber sei doof,
macht einer Wildsau den Hof.
Sie nannten es schlicht: Schweinerei.

       ***


Glück

Des Menschen Hoffnung ist bisweilen,
das Glück ein bisschen planbar wär.
Man müht sich, ihm voraus zu eilen,
doch Glück läuft niemals hinterher.

Wenn du es brauchst, hat es ein andrer.
Erreicht es dich, heiß es willkommen.
Meist kommt es anders als man denkt
Doch nie so schlimm wie angenommen.

       ***


Im Traum

Am Tag, als du begannst zu schweigen,
bin ich aufgewacht.
Es schien, ein Traum ging mir
verloren.

Als du nach mir gerufen,
nach der Nacht,
wurde ein neuer Traum
geboren.

Schlief wieder ein und träumte mich
hinfort,
der Mund der rief,
er hätt' zum Kusse sich gefügt.

         ~ ~ ~

Bisweilen ist der Liebe
seltsam schönster Ort,
wo schon ein Traum dem Traum
allein genügt.

       ***


Nachtgedanken

Zärtlich war die Nacht,
die samtweich
in den Morgen gleitet.
Melancholie
im kleinen schwarzen Kleid,
das gestern noch voll Leben,
angestiftet,
abgelegt,
nun ausgedient
die Zweisamkeit der Nacht
vom neuen Tage scheidet.

Du schläfst.
Noch wartet dieser Tag auf uns.
Doch niemand weiß,
wie viele es noch sind
in diesem Leben.
Sturmlauf der Zeit,
das Ende absehbar,
vorherbestimmt
und unvermeidlich.
Nur unsre Liebe
hält ein kleines Stück dagegen.

         ***


Kommunikationsbedürfnis

Du hast noch nie gesagt, dass du mich liebst,
auch "Du bist schön." vernahm ich nicht.
Der Platz in meinem Bett, der ist dir sicher.
Doch hätte ich es gern, dass jemand mit mir spricht.

Du musst nicht tausend Eide schwören,
von Treue und Beständigkeit,
nur würd' ich gern auch mal `ne andre Stimme hören,
als die des Radiomanns zur Frühstückszeit.

Meinst du nicht auch, dass mich das kränkt,
ich brauche das, bin eine Frau!
Nun komm schon, brich dein Schweigen, bitte!
Ach Kater, sag doch wenigstens …. "Miau!"

         ***


Abschied vom Tag

Von dem Hügel stiller Sehnsucht
schaue ich auf weites Land.
Die Gedanken gehen Wege,
die im Leben ich nicht fand.

Leg Deine Hand auf meine Augen,
verbirg vor mir den Horizont.
Leg Worte mir aufs Herz,
weil es sich sonst verirrt, wo Hoffnung wohnt.

Verweile noch den winzigen Moment
an dem die Nacht den Tag begräbt.
Mach mir Dein Lachen zum Geschenk,
bevor das Leben wieder alte Wege geht.

         ***


Nacht am See
(… oder von der Schwierigkeit romantisch zu sein)

Gestern lag ich mit der Liebsten
auf der Decke, nah am See.
Über uns der Frühlingshimmel,
unter uns der frische Klee.

Lachend, scherzend bis zum Abend
haben wir die Zeit verbracht,
bis der Wein und Frühlingstriebe
mir den rechten Mut gemacht.

Wollte ihr in Versen sagen,
dass ich sie würd' sehnlichst lieben.
Doch um Fehler zu vermeiden,
hatte ich es aufgeschrieben.

Las nun ab von einem Blatt:
"Liebste, schönste Frau der Welt,
ich hole dir, wenn du es willst,
den hellsten Stern vom Himmelszelt.

Für mich bist du die schönste Blume
die ich gerne würd' behalten.
Tausend Jahre und noch mehr
wird meine Liebe nicht erkalten."

Doch was muss ich da vernehmen,
aus dem Schilf sehr laut und stark,
schreit ein Fröschlein
wie zur Antwort … "(alles) Quaaark"

         ***